| Nutzung des Internets durch
verschiedene oppositionelle Akteure
Militärische Kräfte
Die "Sudan
Alliance Forces" und ihr Umfeld
Die
"Webpräsenz" von "SAF"
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenz" von "SAF"
Islamistische Gruppen
Die saudische
"Movement of Islamic Reform" und ihr Umfeld
Die
"Webpräsenz" von "MIRA"
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenz" von "MIRA"
Studentenorganisationen
Die syrische studentische Website "48+2"
Beschreibung der
"Webpräsenz" von "48+2"
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenz" von "48+2"
Gewerkschaften und Berufsverbände
Non Government Organizations (NGOs) und andere
"Zivilgesellschaftliche Gruppen"
Die
"Egyptian Organization for Human Rights"
Die
"Webpräsenzen" von "EOHR"
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenzen" von "EOHR"
Ethnisch oder sprachlich motivierte Gruppen
Nutzung des Internets durch verschiedene oppositionelle Akteure
Nach der Beurteilung des potentiellen Nutzens des Internets für Oppositionsbewegungen im
Nahen Osten stellt sich nun die Frage, in welcher Weise, welcher Aufmachung und mit welchen
Diensten davon Gebrauch gemacht wird. Ich stelle hierfür im Rahmen des besprochenen, von
Hanspeter Mattes entwickelten und von mir leicht modifizierten Konzeptes "oppositioneller
Akteure" einige aktuelle "Webpräsenzen" vor.
Im Rahmen dieser Arbeit habe ich mich auf vier
"Webpräsenzen" konzentriert, diese aber ausführlich behandelt. Auch für
die restlichen "oppositionellen Akteure" führe ich Beispiele an, weise aber nur auf
besondere Merkmale dieser "Internetpräsenzen" hin.
Bei der Auswahl der "Webpräsenzen" kam es mir nicht darauf an,
die bedeutendsten Gruppen des jeweiligen Typus "oppositioneller Akteure"
auszuwählen, sondern eine Vielfalt an Präsentations- und Kommunikationsmöglichkeiten
beispielhaft darzustellen.
Militärische Kräfte
Militär und Sicherheitskräfte sind potenziell politische Akteure mit dem
größten zur Verfügung stehenden Gewaltpotenzial. Zu beachten ist allerdings, dass
"die Streitkräfte (...) weder auf nationaler noch oft auf regionaler Ebene eine
kohäsive Kraft (bilden)"
(Mattes H:1999), sie also selten eine einheitliche
politische Ideologie auszeichnet. Das Vorhandensein einer politischen Ideologie ist aber neben
einer Wendung an die Öffentlichkeit eine Bedingung für Oppositionsbewegungen, wie ich sie in meiner
Arbeitsdefinition formuliert habe.
Die "Sudan Alliance Forces" und ihr Umfeld
Eine vorwiegend militärische Gruppierung,
die diese Bedingungen erfüllt, ist die Sudan Alliance Forces (SAF). Sie operiert in einem Land, das
im Nahen Osten Spitzenreiter für erfolgreiche militärische
Interventionen ist; General Abbud 1958, Ja´afar Numayri 1969 und Umar alBashir 1989. Letzterer hält sich laut "
CIA The World Fact Book", nach einer im Jahr 2000 abgehaltenen und zum
größten Teil boykottierten Wahl, gestützt durch die islamistische
Organisation "National Islamic Front" (NIF) und mit Hilfe
der "National Congress Party" (NCP) immer noch an
der Macht. Auch unter der 1998 implementieren, 1999 teilweise durch alBashir
wieder außer Kraft gesetzten Verfassung haben regierungskritische Gruppierung keine Chance, anerkannte Parteien
zu formieren und zu kandieren.
Die SAF sind, wie aus ihrer Selbstbeschreibung hervorgeht, als
illoyale, antisystemische und kooperative Opposition zu verstehen
(siehe Definition). Ihre Kämpfer liefern sich Gefechte mit staatlichen, von
der NIF unterstützten Truppen. Die SAF streben ausdrücklich
einen säkularen und demokratischen Staat an Stelle des
islamistischen, quasi Einparteienstaates an. Ferner kooperieren sie eng
mit dem Dachverband ziviler Oppositionsparteien, der National
Congress Party (NCP) unter der Führung von Hassan Turabi. Wie der
Startseite zu entnehmen ist, haben sie sich außerdem mit der von Dr.
Garang geführten, vor allem für die Selbstbestimmung des überwiegend
christlich- animalistischen Südsudans kämpfenden Sudan People's
Liberation Army (SPLM/A) vereinigt. Im Vorfeld hatten sie zusammen
mit den "Beja Congress Armed Forces", einer weiteren bewaffneten, an
die NCP angeschlossenen Gruppierung, verschiedene militärische
Aktionen ausgeführt.
Die "Webpräsenz" von "SAF"
Die offizielle Startseite der "Sudan Alliance Forces" lässt sich
sowohl unter der "URL" http://www.safsudan.org als auch
unter http://www.safsudan.com
aufrufen. Durch die Belegung zweier "Topleveldomains" kann die "Site" nicht
nur schneller aufgefunden werden, auch die Möglichkeit, dass eine
andere Person eine der beiden fast gleich klingenden Adresse für
ihre Zwecke und gegebenenfalls Propaganda nutzt wird somit
ausgeschlossen. Über den Dienst einer "Whois-Abfrage"
ergibt sich, dass beide "Domainen" auf den Namen Adil Abdel Aati
registriert sind und dass die "Internetpräsenzen" auf einem
polnischen (DEBORA.CSS.PL) und einem amerikanischen (HOME.OMDA.NET)
"Domain-Server" und damit
außerhalb des Sudans liegen. Bei einer weiteren Suche nach dem Namen
des Registrators in den Seiten der "Webpräsenz" selber stellt sich
heraus, dass es sich bei Adil Abdel Aati um den Leiter oder
Zuständigen des polnischen Auslandsbüros der SAF handelt (Suchbegriff
Aati). Somit ist auch die Unterhaltung der "Webpräsenz"
außerhalb des Sudans verlegt worden.
Die Startseite (für "Screenshot" bitte auf
klicken) ist übersichtlich gestaltet
und in drei "Frames" aufgeteilt. Dabei dient der
linke "Frame" der thematisch geordneten Navigation durch das Angebot an Informationen,
Links und Kommunikationsangeboten, die jeweils im zentralen "Frame" dargestellt werden.
Der obere "Frame" besteht aus dem Credo "Twards a democratic Civil United
State" und einem gebrochenen Link. Im zentralen "Frame" wird auf fast allen
internen Seiten ein "Mailto-Link" zum "Web Master" angeboten, der allerdings nicht immer richtig
in den "Quelltext"
eingearbeitet wurde. Die Aufmachung der "Webpräsenz" legt insgesamt
den Schluss nahe, dass sie von einer nicht professionellen
Einzelperson erstellt wurde.
Informationen über die Organisation erhält
man über den Link "About Us" in Form eines
in sich verlinkten "Frage-Antwort-Bogens". Es wird ein relativ
ausführlicher Überblick über die Gruppierung und ihre Aktivitäten
vermittelt. Die Aufmachung ist etwas holprig, aber der Stil sachlich
und ansprechend, wenn auch mit vielen Rechtschreibfehlern behaftet.
Man erfährt sowohl etwas über das politische Programm (Schaffung
eines säkularen, demokratischen "Neuen Sudans" durch Vertreibung der
Islamisten), als auch über interne Strukturen der Organisation
(gewähltes Exekutivkomitee aus acht zivilen Mitgliedern, welches von
Brigadier Abdul Aziz Khalid, dem Kommandeur der Streitkräfte,
angeführt wird), als auch über vergangene militärische Aktivitäten, Bündnisse und Perspektiven.
Ein weiterer Link
im "Navigationsframe" leitet auf unterschiedliche, zum
Teil in der internationalen Presse erschienene Artikel und
"Statements", mehr als die Hälfte davon auf Arabisch. Sie werden angeblich einmal die
Woche aktualisiert, doch gibt es nur wenige neue Beiträge. Gleiches
gilt für die Seiten "Interviews"
und "Arabic
Documents", wobei sich auf letzterer drei arabische, sogar nur
eingescannte Dokumente befinden.
Der "Button" "Sudanese Links"
verweist auf eine Seite außerhalb der eigenen "Webpräsenz". Dies
kann als Versuch gewertet werden, das abgesehen von der
Selbstdarstellung spärliche Informationsangebot abzurunden.
Interessant erscheint mir, dass bei der aufgerufenen thematisch
gegliederten "Linkliste" unter
der Rubrik "Political
Parties and Organizations" die SAF nicht aufgeführt sind, obwohl
ausdrücklich selbständig Links zur Liste hinzugefügt werden
können.
Neben dem eingeschränkten Informationsangebot bietet die
"Internetpräsenz" der SAF allerdings ein breites
Kommunikationsangebot an. Über den Link "SAF
Offices Abroad" können 12 weltweite SAF-Büros per E-Mail,
Telefon oder Fax kontaktiert werden. Neben der Möglichkeit sich
öffentlich einsichtig ins "Gästebuch " einzutragen, werden dem Besucher ein "Discussion Board" und ein interner "Chat-Room"
angeboten. Alle Kommunikationsangebote machen einen professionellen
Eindruck, weisen jedoch einen Haken auf. Ins Gästebuch haben sich
erst zwei Personen eingetragen, auf die fünf Beiträge, die in den
letzten zwei Jahren im "Discussion Board" erschienen sind, erfolgte
nur eine einzige Antwort, und so überraschte es mich nicht, mich
alleine im "Chat-Room" wieder zu finden.
Grund hierfür kann der letzte Link sein, der den durch
ein Passwort geschützten Mitgliederbereich vom öffentlichen Bereich
abtrennt. Die Prozedur an ein solches Passwort zu gelangen wird in
der öffentlichen "Webpräsenz" allerdings nicht erklärt.
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenz" von "SAF"
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die in englischer Sprache
verfasste und damit vor allem an das internationale Ausland
gerichtete Selbstdarstellung einen, durch den sachlichen
informativen Stil erfolgversprechenden Eindruck hinterlässt.
Die wenigen arabischen Angebote und die fehlenden Beiträge im "Discussion Board " sind
Indikatoren dafür, dass diese "Webpräsenz" kaum von einheimischem
Publikum aufgesucht wird, jedenfalls nicht von solchem, das nicht
schon in irgendeiner Form Mitglied ist und dem somit ein privater
Bereich zur Verfügung stehen mag. In welchem Umfang und mit welchen
Angeboten dieser genutzt wird, lässt sich nicht einsehen. Ich kann
mir allerdings nicht vorstellen, dass hinter diesem leicht zu
knackenden Passwortschutz militärische Geheimnisse preisgegeben
werden.
Gründe für die mangelnde Partizipation der betroffenen Bevölkerung
liegen im Falle des Sudans auf der Hand; nur 10.000 Personen des 36
Millionen zählenden Volkes haben aktuell Zugang zum Internet,
welches durch einen zentralen "ISP" mit großer Sicherheit stark
genug überwacht wird, um alle Aktionen und Wortmeldungen auf dieser
"Internetpräsenz" zu verfolgen.
Islamistische Gruppen
Unter "islamistischen Gruppen" verstehe ich Bewegungen, die den Islam
als politisches Programm begreifen und einen "wahren" islamischen
Staat mit einer islamischen Rechtsprechung, der "Shari'a",
verwirklichen wollen.
Die saudische "Movement of Islamic
Reform" und ihr Umfeld
Eine aus einem schon islamisch regierten Staat kommende
islamistische Bewegung ist die von dem saudischen Dissidenten Dr.
Sa'd al-Faqih seit 1996 geführte "Movement of Islamic Reform" (MIRA). MIRA wurde nach einem
persönlichen Streit mit Dr. Muhammad al-Mas'ari, einem ehemaligen
Professor an der King Saud University in Riyad und Gründer des
"Committee for the Defense of Legitimate Rights" CDLR, als Abspaltungsbewegung
gegründet.
CDLR wurde 1993 kurz nach ihrer Gründung in Saudi
Arabien verboten und agiert seither als Exilopposition aus London. In
den neunziger Jahren entwickelte sich CDLR zum Inbegriff für eine
intensiv mit den damaligen "Neuen Medien" Fax und "E-Mail"
arbeitende Exilopposition, die zudem über Massenmedien, "Newsletter" und eine frühe
"Webpräsenz" ihre Meinung verbreitete.*
Die intensive Nutzung damals noch kostspieligerer Medien trug
dazu bei, dass Al-Mas’ari Anfang 1997 finanziell bankrott
ging.*
MIRA ist unter anderem auf Grund von Berichten
, nach denen es ihr gelingen soll regelmäßig mit
Sympathisanten in Saudi Arabien in Kontakt zu treten, für diese
Arbeit ein interessanter Untersuchungsgegenstand, da, wie besprochen,
Saudi Arabien die schärfsten Zensurmaßnahmen und ausgefeiltesten
Filter auf das Internet anwendet.
Die "Webpräsenz" von "MIRA"
Die Startseite von MIRA (für "Screenshot" bitte auf
klicken) ist offiziell auf die
"Domain" http://www.miraserve.com angemeldet. Aus der
"Whois-Abfrage"
ergibt sich, dass diese "URL" auf den Namen einer Londoner Firma
"Network Solutions Inc." registriert ist und auf den offensichtlich
firmeneigenen amerikanischen "Domain-Servern"
(DIAMOND.WEBSTARUK.NET) und (RUBY.WEBSTARUK.NET) liegt. Die Idee
hinter dieser ungewöhnlichen Konstellation ist, dass diese Firma
beide "Server" als "Anti-Censorhip-Proxies" nutzt.
Mit Hilfe dieser kann sie nicht nur die angeforderten "Sites" selber
flexibel verschlüsseln und an die "User" in Saudi Arabien durch alle
Filter schleusen, sondern auch im zügigen Wechsel die aufzurufenden
"URLs" ändern und somit den
"schwarzen Listen" immer einen Schritt voraus sein. Damit sich diese
"URLs" auffinden lassen, muss eine leere Mail an mailto:islah@islah.org abgeschickt
werden, worauf umgehend eine automatisch generierte Antwort-Mail
folgt, aus der die aktuelle "URL" hervorgeht. Bei einem Versuch
erhielt ich folgenden Link http://www.islah.info:3300/indexnewmain.htm,
der mich gleichfalls auf die arabische "Webpräsenz" führte. Den
Grund für die wenig originelle Abänderung der "URL" erfährt man
gleich auf der Startseite; die Firma die die "Proxy Server" betreibt, habe
finanzielle Probleme, weswegen sie keine neuen Adressen mehr
ausstellt. Um Ideen und Unterstützung wird gebeten. Diese Nachricht
änderte sich über den Monat April nicht.
Der erste Eindruck wird von der modernen, sich "MSHTML " bedienenden
Aufmachung bestimmt. Die "Site" ist Ton in Ton in sachlich wirkender
blauer Farbe gehalten. Links sind übersichtlich und einheitlich in einem
oberen und je nach englischer oder arabischer Sprache links- oder
rechtsliegenden "Frame" aufgeführt. Der Text ist gegliedert und
verwendet serifenlose Schrift. Auf der Startseite wird
unaufdringlich das gleichfalls in blauen Farben und gerader
arabischer Schrift gehaltene Logo der Bewegung mit den "Beiden
Heiligen Stätten" Saudi Arabiens dargestellt. Nach einer Weile
bemerkt man im arabischen Bereich einen in der oberen Zeile rot
pulsierenden Schriftzug; ein positives "Feedback", dass man über
einen "Sicherheits-Server"
verbunden sei.
Als Informationsangebot werden eine Einführung
über MIRA und ein ausführliches, in
Unterpunkte untergliedertes Programm angeboten, das allerdings mehr über Missstände in
Saudi Arabien als über konkrete politische Ideen informiert.
Neben eigenen Artikeln und Büchern werden täglich aktuelle
kritische Artikel über Saudi Arabien veröffentlicht. Außerdem lässt sich
eine große Anzahl von Audioansprachen von Dr. Sa'd al-Faqih herunterladen
oder mittels der "Streaming-Technik" anhören. Das
Informationsangebot wird durch die Rubrik "Prinz der Woche" und
weiterführenden Informatione über Saudi Arabien abgerundet.
Im Vergleich zu diesem sehr umfassenden Informationsangebot
werden auffallend wenige Möglichkeiten der Kommunikation
bereitgestellt. Weder "Discussion Boards" noch "Chat-Rooms", nicht
einmal ein "Gästebuch" werden angeboten. Die einzige Möglichkeit,
sich zu Wort zu melden, besteht über ein "Formular",
dessen Nutzung allerdings ausdrücklich nur den Mitgliedern und
Sponsoren von MIRA gestattet ist.
Bei einem Wechsel zur englischen
"Site" erscheint die Aufmachung auf den ersten Blick gespiegelt und
identisch. Bei genauerem Hinsehen lässt sich jedoch feststellen,
dass nicht alle Angebote wie die Audioansprachen auch auf Englisch
erscheinen, andere allerdings, wie ein Link auf die mittlerweile nur noch
eingeschränkt und auf arabisch operierende "Site" seines bankrotten
Opponenten der CDLR finden sich nur hier.
Statt Informationen zu sicheren Verbindungen werden auf der
Startseite ein Link zu den Artikeln des Tages, sowie zwei weiteren,
Bin Laden thematisierenden, angeboten. Bei einem Vergleich der Übersetzung des
politischen Programms mit dem arabischen
Original lässt sich feststellen, dass zwar alle Punkte in beiden
Versionen aufgeführt werden, diese aber im englischen Programm
kürzer ausfallen. Der Grund hierfür liegt darin, dass in der
englischen Fassung ausdrücklich auf einschlägiges islamisches
Vokabular verzichtet wurde und nähere Ausführungen zur "Shari´a"
fehlen.
Auch das Ziel der Bewegung
ist bewusst liberal formuliert: "MIRA seeks major reforms in
Arabia; in particular freedom of expression, freedom of assembly and
the abolition of the Secret Police units subverting political
movements and activity". Diese Formulierung sollte auf jeden
Fall mit der innerhalb der "Webpräsenz” nicht leicht aufzufindenden,
aber für die Programmatik von MIRA zentralen, an das saudische
Könighaus gerichteten öffentlichen Klage "Letter of Demands to the
Custodian of the two Holy Mosques" verglichen werden. Bezüglich
Meinungsfreiheit wird in diesem öffentlichen, aber an das Inland
gerichteten Brief von MIRA folgendes gefordert: "Reconstructing
the media to bring them in line with the Kingdom's policy of serving
Islam. The media should reflect the values of society and enhance
and advance its culture and they must be purified from all that
contradicts the above goals".
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenz" von "MIRA"
Die professionelle Aufmachung, aber auch der sachliche Stil und
das Logo stehen im krassem Gegensatz zu einer "Homepage" der zahlenmäßig weitaus
bedeutenderen Muslimbruderschaft in Ägypten, die ihre "Site
" mit geschwungener Schrift und
über den Koran gekreuzten Schwertern schmückt. Wenn hierbei
noch angemerkte Diskrepanzen zwischen dem englischen und arabischen Teil
der "Site" berücksichtigt werden, stellt sich der Verdacht ein, dass diese
Darstellung bewusst nicht dem Klischee islamistischer Gruppierungen
entsprechen will. Die Symbolik und Sprache sind nuancierter; nur
"Eingeweihte" wissen was womit und in welchem Kontext angesprochen wird.
Der englische Leser findet vertrautes und liberal klingendes Vokabular.
Durch den Link auf CDLR wird zudem der Eindruck einer kooperativen
Opposition vermittelt.
Neben einer klaren Abgrenzung zur klassischen
islamistischen Symbolik wird ein weiteres Ziel dieser professionellen
Aufmachung sein, davon abzulenken, dass es sich bei "MIRA" mehr oder weniger nur um
ein "Ein-Mann-Unternehmen" handelt.
Das täglich aktualisierte Informationsmaterial hat für an Saudi
Arabien Interessierte besonders durch den Presseüberblick das
Potenzial, einheimische sowie englischsprachige Leser regelmäßig zu
einem "Besuch" auf dieser "Site" zu verleiten. Im arabischen Teil
wird außerdem, ganz im Stil anderer Islamisten, eine große Auswahl
an Audiolektionen angeboten.
Das Partizipations- und Diskussionsangebot sieht im Vergleich zu
anderen "Webpräsenzen" sehr dürftig aus. Auch im arabischen Teil
scheinen öffentliche Gegenmeinungen, Kritik und Debatte
unerwünscht.
Es ist einerseits interessant, dass es Dr. Sa'd al-Faqih als
schlechthin dem ausgemachten Ziel saudiarabischer Zensur Berichten
zufolge gelingen soll, trotz aller Filter und Überwachung mit seinen
Anhängern im Land zu kommunizieren. Andererseits ist es genauso
erstaunlich, dass ihm das Geld um einen solchen "Service" aufrecht
erhalten zu können, auszugehen scheint. Da dieser Zustand schon
mindestens einen Monat lang anhält, kann man daraus schließen, dass
diese "Webpräsenz" für seine Landsleute nicht unentbehrlich
sein kann und dass Mobilisierung über das Internet, und sei es auch
nur in monetärer Form, nicht so erfolgreich ist wie man annehmen
könnte. Es kann natürlich auch sein, dass es mittlerweile der
saudiarabischen Regierung gelungen ist, diese einmalig gesicherte
"Internetpräsenz" erfolgreich zu blockieren.
Studentenorganisationen
Studenten gehören auch im Nahen Osten häufig zur Vorhut
oppositioneller Aktion. Nach Hanspeter Mattes waren "statistisch
gesehen (...) studentische Proteste mit hochschulexternem Bezug
(...) jedoch eher die Ausnahme" (Mattes:1999). Politische
Auseinandersetzungen ergeben sich in erster Linie aus ideologischen
Differenzen zwischen verschiedenen, oft bestimmten Parteien nahe
stehenden Studentengruppen untereinander und "sozioökonomisch
motivierte(n) Proteste(n), die sich gegen die Verschlechterung der
Studienbedingungen (...) und die wenig aussichtsreichen
Berufsperspektiven wenden" (Mattes:1999).
Die syrische studentische Website
"48+2"
Weltweit, insbesondere in den Vereinigten Staaten und in
Kanada, gibt es
eine Vielzahl muslimischer Studentengemeinschaften (Muslim
Student Associations), die eine "Webpräsenz" unterhalten.
Im Nahen Osten jedoch musste ich dazu übergehen auf
Länder- und Universitätsebene zu suchen, um eine "Site" aufzufinden, auf
der sich Studenten eines arabischen Landes präsentieren und auch
politisch relevant austauschen. Die "Internetpräsenz", die ich
schließlich aufgefunden habe, existiert erst seit wenigen Monaten und
kommt aus Syrien, einem Land das sich besonders "vorsichtig" an das
Internet herantastet. Auf der ihr übergeordneten "Domain" damascus-online.com, die
von ihrer Thematik eher den Eindruck einer staatlichen "Webpräsenz"
zur Förderung von Tourismus macht, wird sie mit dem mir nichts
sagenden und auch nicht weiter erklärten Namen "48+2" als "the first
Syrian student website" beschrieben. Im Gegensatz zur "Site" der
übergeordneten Domäne ist die "Webpräsenz" von "48+2" trotz
graphisch identischer Aufmachung komplett auf Arabisch gehalten.
Beschreibung der "Webpräsenz" von
"48+2"
"48+2" ist Teil der Ende letzten Jahres auf den Namen Mohamed
Hakyal eingetragenen Domain http://www.damascus-online.com.
Nach den Angaben der "Whois-Abfrage"
lebt Hakyal in London. Die "Webpräsenz" ist auf zwei amerikanische
Webserver (NS1.BURLEE.COM) und (NS2.BURLEE.COM) verteilt. In der
"Internetpräsenz" wird angegeben, dass für die Betreuung und das
Design ein Student der medizinischen Fakultät der "Universität von
Damaskus" namens Ayman Hakyal zuständig sei. Aus der
Selbstdarstellung geht hervor, dass "48+2" die "erste syrische
Onlinestudentenzeitschrift" ist mit dem Ziel, syrische Studenten
einander näher zu bringen und ihnen ein Meinungsforum zu bieten.
DieStartseite (für "Screenshot" bitte
auf klicken)
ist ganz im arabischen Design, mit einem Navigationsframe auf der rechten und der "Scrollbar" auf
der linken Seite, übersichtlich und in sachlich wirkender, moderner
graublauer Farbgebung gehalten. Mit der Startseite wird gleichzeitig
die Rubrik "Nachrichten"
im "Hauptframe" angezeigt, während alle weiteren Rubriken und
"Dienste" von dort aus direkt anwählbar sind. Aus einem "Hit Counter" geht hervor, dass
die "Site" in dem letzten viertel Jahr über 20.000 Mal aufgerufen
wurde, für eine gerade erst ins Netz gestellte arabische
studentische "Internetpräsenz" eine erstaunlich hohe
Besucherzahl.
Aus dem täglich aktualisierten Angebot kann
zwischen den Rubriken "Nachrichten
", "Meinungen zu Gesellschaft oder Universität", "Beschwerden", "syrische Studenten im Ausland ",
verschiedenen "Mailinglisten", "Mittwochsansprache", "Karikaturen" und "Meinungsumfragen" gewählt werden.
Außerdem bietet die "Site" die Möglichkeit, ehemalige Schulkameraden und neue Freunde der gleichen Fakultät oder
Universität zu finden. Alle Angebote lassen sich bequem über "Java-Masken "
steuern und funktionieren einwandfrei.
Bis auf die Nachrichten wird der Inhalt aller Rubriken von den Studenten selber geschrieben.
Auch wenn der "Webmaster" den thematischen Rahmen bestimmt, Kontrolle über die
Beiträge behält und Zensur üben kann, wird mit dieser
"Internetpräsenz" im Kontext des ansonsten sehr repressiven politischen Umfeldes in
Syrien den Studenten ein einmalig kommunikatives und liberales Forum geboten. Besonders
bemerkenswert erscheint mir die Rubrik "Kritik ", zu der man anonym und ohne
Angabe einer E-Mail-Adresse beitragen kann. Hierbei sind die Vorgaben eine thematische Begrenzung auf
universitäre und studentische Belange, und die Verwendung der Hocharabischen Sprache.
Analyse und Bewertung der "Webpräsenz" von
"48+2"
Unter den gegebenen Umständen, aber auch im Vergleich mit anderen internationalen
Studentenforen, sind sowohl Angebot als auch Aufmachung dieser "Webpräsenz"
bemerkenswert. Mit Blick auf die übergeordnete "Domain" kann der Verdacht aufkommen,
dass der syrische Staat selber diese professionelle "Site" initiiert hat, um seine
Kontrolle in den Universitäten auszuweiten, allerdings gibt es hierfür keinerlei konkrete
Anhaltspunkte.
Es ist zu vermuten, dass syrische Studenten sich der sicheren Kontrolle dieser
"Internetpräsenz" durch den Staat bewusst sind, so dass der eng gefasste thematische
Rahmen der sich auf Studienbelange und Berufschancen konzentriert wenigstens momentan nicht
überschritten wird.
Ein weiterer bemerkenswerter Ansatz ist der Versuch, syrische Auslandsstudenten mit in die
Kommunikation einzubinden. Beiträge solcher Studenten zeigen, dass dieses Angebot rege genutzt
wird.
Zusammen mit Rubriken, die das Ziel haben,
ehemalige Schulkameraden zusammenzubringen und neue Freundschaften zwischen Kommilitonen zu
schaffen, ist diese "Internetpräsenz" nicht nur Medium für studentische Diskussion und
Kommunikation, sondern wirkt darüber hinaus auch Identitätsstiftend. Noch
basiert dieses Zusammengehörigkeitsgefühl nicht auf dem Willen nach politischer Mitsprache, doch Potential
hierfür ist mit einer solchen "Webpräsenz" gegeben. Nach oppositionellen Kriterien
ist meiner Meinung nach die Vernetzungsfunktion von Studenten
unterschiedlichster Fakultäten, Universitäten und den im Ausland lebenden syrischen Studenten, die über diesen
Weg stärker und unmittelbarer in das Geschehen im Land selber eingebunden
werden, hervorzuheben.
Gewerkschaften und Berufsverbände
Unter den "Webpräsenzen" dieser Form von oppositionellen Akteuren erscheinen mir
folgende Beispiele von Interesse:
Die schon seit über 60 Jahren bestehende und seit 1981 aus dem Exil und Untergrund
agierende "Iran Teachers Association" (ITA) betreibt seit 1948 eine Zeitschrift mit dem
Namen "Mehregan". Diese hat sich zu einer
kommunikativen, im letzten Monat komplett neu gestalteten,
weitgehend englischsprachigen "Webpräsenz" entwickelt. Neben
Informations- und Kommunikationsangeboten, wie einem mehrsprachigen
"Chat-Room" sowie
"Discussion Boards",
wird auch Lobbyarbeit bei der iranischen Regierung durch das
Verfassen von Briefen
geleistet.
Ein weiteres interessantes Beispiel ist der erst 1999 in
Jordanien etablierte "Center for Defending Freedom of Journalists"
(CDFJ). Dieser sehr aktive Berufsverband hat neben juristischer
Beratung und Einflussnahme das selbsterklärte Ziel, jordanische und
arabische Journalisten im Umgang mit den "Neuen Medien" auszubilden.
Eine besondere Rolle nimmt dabei das Internet ein: "The Center is
particularly interested in utilizing the Internet and Information
Technology to serve as a vehicle for free expression and human
rights protection in the country and throughout the Arab
world".* Die "Webpräsenz” von CDFJ ist weder eine
Selbstdarstellung noch eine Kommunikationsplattform. Sie betreiben
vielmehr ein "Portal" zu arabischen Medien und Nachrichten aller
Art, ohne dass ausdrücklich ihr Name erwähnt oder gar ein Logo
platziert wird.
Non Government Organizations (NGOs) und
andere "Zivilgesellschaftliche Gruppen"
Unter Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und
"Zivilgesellschaftlichen Gruppen" verstehe ich Organisationen, die
unabhängig von Staat und Regierung agieren und bestimmte
gruppenspezifische Interessen verfolgen und propagieren. Unter der
Vielzahl "Zivilgesellschaftlicher Gruppen" im Nahen Osten sind nur
wenige direkt politisch aktiv; "…über das direkte Anliegen, die
Umsetzung gruppenspezifischer Interessen hinaus
gesamtgesellschaftlich aktiv, zugleich für eine Veränderung der
politischen Strukturen eintretend, sind indes nur die wenigsten: in
der Regel die Menschenrechtsorganisationen, einige
Frauenorganisationen und islamistische Vereinigungen,…" (Mattes,
H:1999).
Die "Egyptian Organization for Human
Rights"
Die "Egyptian Organization for Human Rights" (EOHR) wurde 1985 gegründet
und ist mit 2300 Mitgliedern die größte Menschenrechtsorganisation
Ägyptens. EOHR ist bei den Vereinten Nationen eingetragen und
kooperiert eng mit anderen internationalen
Menschenrechtsorganisationen. Die Organisation arbeitet öffentlich
und ist mit 17 Zweigstellen über ganz Ägypten verteilt. Mit einer
großen Anzahl von Rechtsanwälten bemüht sie sich um Verteidigung der
Menschenrechte und Einflussnahme auf die Gesetzgebung. Zudem
publiziert EOHR in regelmäßigen Abständen Lageberichte und unterhält
eine Abteilung, die sich speziell um Frauenrechte kümmert: "Women´s
Legal Aid Project" (WLAP).
Somit kann EOHR im Rahmen dieser Arbeit als Beispiel für eine
loyale, systemische und kooperative oppositionelle Bewegung
angesehen werden.
Die "Webpräsenzen" von "EOHR"
Die "Internetpräsenz" von EOHR ist auf die "Domain" http://www.eohr.org angemeldet. Sie
ist allerdings nicht auf die eigene Organisation oder eine Person,
sondern auf das "Roxy Research Center" in Kairo eingetragen. Alle
Kontaktadressen bis auf die technische befinden sich in Kairo,
während die "Webpräsenz" selber auf zwei amerikanischen "Domain
Servern", (DNS5.DOTEASY.COM) und (DNS6.DOTEASY.COM) liegt.
Ägypten gehört zu einer Reihe von Ländern, die an die
amerikanischen "Topleveldomainen" (.com, .org,
.edu, .gov) ihre nationale "Topleveldomain" (.eg) anhängen. Es ist
überraschend, dass mit und ohne diesen Anhang zwei komplett
verschiedene und auch nicht miteinander verlinkte
"Internetpräsenzen" aufgerufen werden: http://www.eohr.org.eg und http://www.eohr.org. Ähnliches Logo
und gleichen, in beiden "Webpräsenzen" angegebenen Kontaktadressen
zufolge, handelt es sich jedoch um ein und dieselbe
Organisation.
Bei der ersten "Webpräsenz" (für
"Screenshot" bitte auf
klicken) fallen gleich die ungewöhnliche Gestaltung und das ins
Zentrum gerückte Logo der Organisation ins Auge. Dieses besteht aus
einer Darstellung der altägyptischen "Göttermutter" Isis mit zwei
gerichteten Schwingen. Das "präislamische" Logo hat eine tiefere
Bedeutung; die geflügelte "Isis" ist ein altägyptisches Symbol für
Gerechtigkeit und Schutz. Um das Logo herum gruppieren sich eine
Reihe farbiger "Buttons", über die man Zugriff auf die gesamte
"Webpräsenz" hat. Auf der Startseite ist ein "Hit Counter"
platziert, der anzeigt, dass diese "Site" in den letzten fünf Jahren
über 30.000 Mal besucht wurde. Außerdem werden eine wechselnde
Werbung, ein gebrochener Link zur "Text Only Version" und der
Hinweis, dass diese "Site" das letzte Mal in ihrem Entstehungsjahr
1997 aktualisiert wurde, dargestellt.
Das Informationsangebot beschränkt sich auf
eine kurze, ansprechend gestaltete, aber sehr allgemein gehaltene
Selbstdarstellung. Selbst in den Rubriken "Publications" und "Current Campaigns
" wird nicht weiter
auf aktuelle Arbeiten verwiesen. Wer sich für die Publikationen interessiert, muss
persönlich mit EOHR in Kontakt treten.
Neben dieser knappen, ausschließlich auf Englisch gehaltenen
Selbstdarstellung werden keine Möglichkeiten der Kommunikation
angeboten. Über den Link "Contact Us"
lassen sich zwar postale Adresse, Telefon- und Faxnummern sowie zwei
E-Mail-Adressen aufrufen, allerdings wurde mir auf eine
elektronische Anfrage nicht geantwortet.
Die zweite "Webpräsenz" (für
"Screenshot" bitte auf
klicken) scheint erst seit einem knappen Monat zu
bestehen und ist mehr oder weniger noch in Arbeit. Im Gegensatz zur
Ersten sind sowohl Seitenaufbau als auch Darstellung sehr
konventionell gehalten. Diese Form, zusammen mit der Darstellung des
"Quelltextes" weisen darauf hin, dass die neuere "Webpräsenz" von
EOHR von einer nicht professionellen Privatperson aufgebaut
wird.
Bisher sind nur die beiden Links "Statements" und "Reports" mit Inhalt
versehen. Dieser besteht aus insgesamt nur sechs Artikeln, wobei
diese zur Hälfte über den israelisch-palästinensischen Konflikt
berichten.
In der neuen "Webpräsenz" werden im Gegensatz zur Alten die
beiden Rubriken "Refugees" und "Legal Aid for Women"
angeboten. Außerdem wird die ganze "Site" mit allen Artikeln
gespiegelt auf Arabisch
dargestellt.
Kommunikationsangebote wie "Discussion Boards" oder "Chat-Rooms"
sind auch in der neuen Version nicht eingeplant. Neben postaler
Adresse und Telefon- und Faxnummern befindet sich im
"Navigationsframe" eine animierte Graphik mit dem Schriftzug
"E-Mail". Sie wurde bislang jedoch noch nicht mit einem
"Mailto-Link" verknüpft.
Analyse und Bewertung der
"Webpräsenzen" von "EOHR"
Die erste "Webpräsenz" ist ein Beispiel für einen, ausschließlich
an das Ausland mit dem Ziel einer Selbstpräsentation gerichteten
Internetauftritt. Die Aufmachung lässt sich am besten mit der eines
Prospektes vergleichen, in welchem kurz und graphisch ansprechend
Organisation, Ziele und Kontaktadressen vorgestellt werden. Wie bei
Prospekten üblich ist auch diese "Webpräsenz" nicht auf
Aktualisierung oder Kommunikation angelegt.
Mit dem Aufbau einer zweiten "Webpräsenz" hat
EOHR offensichtlich beschlossen, die erste "Webpräsenz" als
Visitenkarte unverändert beizubehalten und lieber parallel dazu eine Neue
aufzubauen. Diese unterscheidet sich in ihrer Aufmachung stark von der Ersten,
da sie wenig Wert auf professionelle Gestaltung legt und, soweit
schon erkennbar, Verbreitung von Informationen im
Vordergrund stehen. Inwieweit diese Informationen allerdings
innenpolitisch relevant sind und die Menschenrechtssituation in Ägypten zum
Thema haben, bleibt, mit Blick auf die vorherrschende
Berichterstattung über Palästina, abzuwarten.
Die sich speziell um Frauenrechte kümmernde Abteilung WLAP
ist bisher noch nicht im Internet vertreten. In der neuen
"Webpräsenz" wird ihr erstmalig eine eigene Rubrik "Legal Aid for Women" zugewiesen, die eine Selbstdarstellung,
Bereitstellung
von Informationen über aktuelle Projekte sowie
Aufklärung über die Rechte der Frau erlauben
würde. Sie ist allerdings noch nicht mit Inhalt versehen, was mit
der hohen Dominanz männlicher Nutzung des Internets, die
besprochener Umfrage
zufolge im Nahen Osten bei über 95% liegen soll, und der damit
verbundenen geringeren Relevanz einer solchen Rubrik zusammen hängen
mag.
EOHR unterhält die beiden unkommunikativsten "Internetpräsenzen"
die mir bei meiner Recherche begegnet sind. Es werden weder
Diskussionsmöglichkeiten noch Möglichkeiten zur Veröffentlichung
eigener Beiträge angeboten. Nicht einmal eine elektronische
Kontaktaufnahme ist möglich. Mit Blick auf die doch relativ hohe
Besucherzahl für eine "Site", die nur als allgemein gehaltener
englischsprachiger und fünf Jahre lang nicht aktualisierter
"Prospekt" über die Organisation anzusehen ist, und unter
Berücksichtigung der hohen Anzahl legaler aktiver Mitglieder der
Organisation sowie der liberalen Politik der ägyptischen Regierung
dem Internet gegenüber ist es erstaunlich, dass EOHR das "World Wide Web" für ihre Anliegen
und Arbeit nicht intensiver nutzt und nicht schon früher Wert auf
eine arabische Darstellung gelegt hat.
In der "Internetpräsenz" von EOHR werden weder die Möglichkeiten
aktiver interner und internationaler Zusammenarbeit, die das Internet
bietet, noch potentiell Aufklärung und Engagement fördernde
Kommunikationsangebote genutzt. Auch organisationsinterne
Verbreitung von Informationen und Mobilisierung der Mitglieder über
das "Internet" scheinen sich für EOHR, zumindest im Zusammenhang mit
beiden "Webpräsenzen", nicht zu lohnen. Eine weitere
Interpretationsmöglichkeit hierfür ist, dass eine Kommunikation über
das Internet bewusst nicht erwünscht ist, mit der Sorge, dass
vertrauliche Informationen über diese Medium leicht in die falschen
Hände geraten könnten.
Somit hat das Internet bislang auf die Oppositionsarbeit von EOHR
keinen Einfluss. Ihre "Internetpräsenz" richtet sich bislang an ein
passiv gehaltenes, unbeteiligtes, vor allem englischsprachiges
Publikum.
Ethnisch oder sprachlich motivierte
Gruppen
Während durch den Besitz einer
eigenen, aber nicht gleichberechtigten Sprache motivierte Opposition vor allem von Berbern
in den Maghrebstaaten betrieben wird, hat ethnisch motivierte
Opposition größere Bedeutung in der Levante und in Gebieten mit
kurdischer Bevölkerungsmehrheit.
Eine solche "Webpräsenz" ethnisch motivierter Opposition ist die
der Kurdish Democratic Party in Syria (KDPS Alparty ). KDPS ist die
älteste kurdische Partei in Syrien. Sie wurde 1959 verboten und agiert
seither aus dem Untergrund und Ausland.
Ihre eher chaotische, sehr bunte und mit vielen Effekten
betriebene "Internetpräsenz" dient nur begrenzt
der Selbstdarstellung der Partei und ihres Programms und gar nicht
als Kommunikationsplattform. In erster Linie werden auf kurdisch,
englisch, arabisch und schwedisch gehaltene Informationen über
Kurden, eine Karte von Kurdistan und
"aktuelle" Nachrichten über
kurdische Belange angeboten.
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