Atlantika
Einsam und verlassen sitzt Atlantika
Den Blick schweifend in der Ferne wüst Gestein
Und sie träumte und ihre Träume schienen wahr
Von vielen bunten Wesen so klein so fein
Plötzlich ein gelber Kreis auf ihren Augen weilt
Geblendet verhüllt die Jungfrau ihr Antlitz schnell
Mit dunkelblauem Tuch und flieht und eilt
Unbarmherzig verfolgt so hell so grell
Voller Angst sucht das Elfenwesen zart
Schutz doch wo inmitten all den Steinen
Ihre grünen Augen werden groß und hart
Erschöpft fällt sie hin und fängt an zu weinen
Und so sinkt sie nieder und träumte wieder
Dicke Tränen sammeln sich im Gefälle
Ihr grünes Haar umflutet ihre weissen Glieder
Auf und niedertreibend wird sie zur Welle
Es lösen sich aus ihrer transparenten Hand
Viele wundersame Wesen, die Phantaphelten
Sie werden fassbar, schwimmen, suchen Land
Farbiges Treiben erfüllt die alten Welten
Allein Atlantika daselbst ist nicht zu finden
Immer kleiner durchsichtiger wie nasser Schnee
Zerfließt sie inmitten all ihren Kindern
Und wird ihr eigener Traum die Fee vom See
"Mutter, die du gabst uns Träumen Leben"
Trauerndes Nass erfüllt die kleinen Gesichter
"Darfst nicht scheiden indem was du uns gegeben"
Doch jedes Wesen ist sein eigener Richter
Tränenwogen überschwemmten weite Täler
Denn auch die Phantaphelten gaben sich verloren
Der Glaube an den Tod war ihr aller Fehler
Erst durch Tränen wurde der Mensch geboren
Selten erleben wir tiefe schöne Träume
Und glauben sie verloren weinen und singen
Unwissend seufzend "Träume sind Schäume"
So mag Leben aus Klage erklingen
Manchmal die Pflanzen bei dunkler Nacht
In sich gekehrt in kalter Luft wiegen
Mit Tränen benetzt der Mutter bedacht
Auch sie wird der gelbe Kreis einst besiegen
12.02.95